Operation gelungen – Patient lebt!

Patient:

Utlimaker 2 (defekt), gekauft bei Ebay für €705.-

Ich suche schon länger einen zweiten Ultimaker, weil ich einen zum Basteln brauche und nicht immer meinen gut funktionierenden Arbeitsdrucker zerlegen will. Tja, da ergab sich die Gelegenheit. Ich bot auf einen defekten Drucker und dachte, das wird eh nichts, denn €700.- ist aktuell nicht wirklich viel. Doch es traute sich wohl sonst niemand und bekam ich den Zuschlag.

Erster Eindruck: Verpackung gut, Drucker scheint ganz ok zu sein, aber Zigarettengeschmack, was in einem Nichtraucher-Haushalt natürlich gleich brutal auffällt.
Zweiter Eindruck: An diesem Drucker wurde viel herum gebastelt. Z.T. extreme Kratzspuren, falsche Schrauben, eingeklemmte Kabel und verbogene Teile lassen darauf schließen, dass dem armen Drucker viel Leid angetan wurde.

Beim Versuch den Drucker in Betrieb zu nehmen und etwas auszudrucken war dann alles klar. Der Drucker fuhr voll an die Wand und machte brutale Ratter- und Kratzgeräusche. Schnell den Stecker ziehen und zuerst mal nachdenken, bevor mir da alles um die Ohren fliegt. 😉

Schritt 1:

Anschluss des Druckers an den Lappi und manuelle Steuerung der Achsen mit Simplyfy 3D – Probleme ohne Ende. Das Ding fährt an die Wand und es macht fast schon Angst wie die Kiste rattert und knattert.

Erste Tests ergaben dass die Y-Achse spinnt, dann habe ich aber mal Motor X und Y getauscht. Das ergab auch ganz seltsame Ergebnisse. Bei Y-Achse bin ich mir sicher, dass ein Problem besteht – bei der X-Achse nicht wirklich. Die Z-Achse ist auf jeden Fall OK. Irgendwie sind die Fehler nicht ganz nachvollziehbar.

Schritt 2:

Jede einzelne Achse Platine testen.
Da die Z-Achse immer absolut nachvollziehbare Sachen macht, habe ich mal einfach Motor und Endschalter pro Kanal angesteckt und mit der manuellen Steuerung von Symplify3D getestet. Manuelle Steuerung, Position nullen, alle Motore arbeiten und alle Endschalter funktionieren! An diesem Punkt würde ich sagen ist die Platine defekt und Ende. ABER!

Schritt 3:

Bei meinen Tests lag der Drucker auf der Seite, weil ich ja dauernd Kabel umstecken musste. Alles lief, aber kaum stellte ich den Drucker auf, waren wieder komische Fehler da.
Und siehe da! Der Endschalter war hinter dem Feeder-Motor eingeklemmt. Nach genauerer Betrachtung war klar, dass das Kabel sogar abgeklemmt war.
Das verursachte natürlich manchmal Kurzschlüsse oder auch nicht und das wiederum erklärte diese seltsamen Fehler.

Aber so ein Kabel ist schnell geflickt, kein großer Schaden. Ich bin wirklich froh, dass weder die Platine noch ein Motor einen Schaden erlitten hat.

Nach einer Stunde zerlegen, reinigen, Glasplatte vom alten Kleber entfemen und alles wieder zusammenbauen kam der erste Test. Ich nahm eine Datei, die ich schon viele male gedruckt habe und was soll ich sagen: Eine Fehlermeldung nach der anderen, es ist zum Kotzen. Der Drucker fährt an die Wand, obwohl das Nullen (Home) geht und auch die Richtungen stimmen müssten. Na ja, die Entscheidung in diesem Moment war klar.

Firmware

Die Mechanik und die Elektronik sind ja Ok. Trotzdem macht der Drucker zicken. Also Tinkergnome 15 drauf – Werkseinstellungen und ganz von vorne anfangen. Die Settings für das Filament habe ich von meinem anderen UM2 übernommen.

Druckkopf

Tja wer hätte das gedacht. Der Druckkopf wurde genau so behandelt wie der Rest des Druckers.
Das Teflon-Ding ist total überhitzt, alles ist extrem verdreckt, verbogen und hat unglaubliche Schrammen. Die Heizpatrone fällt von selbst raus, weil wieder mal eine falsche Schraube verwendet wurde, die nicht klemmt. Na ja, auch hier alles mal zerlegen, putzen, eine neue Düse rein und Alles etwas gerade biegen.

 

Optimierung

Soweit so gut, letztlich läuft der Drucker wieder und das gar nicht schlecht. Ich muss noch mit den Lüftern spielen, damit die Bauteilkühlung besser wird.
Und so schnell kann es gehen, hat man einen zweiten UM2 und das für wenig Geld.

Im Drucker ist noch ein Olsson-Block verbaut und es liegt ein neuer Feeder der Ultimaker+ dabei. Mal schauen ob ich das jemals einbau, denn ich habe andere Pläne mit dem Ding. Alles in allem ein gutes Geschäft für mich. Danke an den Verkäufer!